Adventshoagartn

20.12.2015 20:00 - Von: Richard Eder


Rott-Inntaler Viergsang

Mit ihren markanten Stimmen bereicherten die Sänger des „Rott-Inntaler Viergsangs“ den Adventshoagartn. Links Sprecherin Petra Hausleitner, rechts Organisatorin Sabine Riemer.

Linden. „Wachet auf, ihr Menschenkinder!“ Es ist eigentlich ein altes Namenstagslied. Doch die Textzeile steht gleichsam als Auftrag für den Advent und selbst nur instrumental ausgeführt, entfachte die Melodie vom ersten Ton an ihre Wirkung: aufrüttelnd, dennoch zuversichtlich. Die so entstandene Stimmung zog sich wie ein Motto durch den 29. Adventshoagartn der Lindenthaler.

     Die Lindenthaler-Bläser unter der Leitung von Wolfgang Riemer eröffneten mit dieser aus Mittenwald stammenden Weise den Adventshoagartn im Vereinsheim in Linden, und tat die Melodie alleine schon ihr übriges, verlieh das Bläserquartett mit ihrer weichen, warmen Tongebung diesem Stück feierlichen Glanz.

     Petra Hausleitner aus Zeilarn war diesmal als Sprecherin geladen. Selbst Musikantin in drei namhaften Gruppen, darunter die bekannte Dorfner-Musi, wechselt sie seit ungefähr fünf Jahren immer wieder auch auf den Stuhl des Moderators. Sie blickte in ihren Texten nicht rührselig in die Vergangenheit nach dem Credo „Früher war alles besser“. Nein, der Advent sei heute nicht schlechter, so Hausleitner. Ein bisserl anders halt, als noch vor 50 oder 60 Jahren.

    Die Kinder hätten heute noch genau so viel Respekt vor Nikolaus und Krampus, weil das mit dem Brav-sein damals wie heute meistens nicht so recht gelingen mag. Mit einem Christkindlbrief, verfasst von der „kleinen Evi“, bewies Hausleitner, dass „brav“ sowieso im Auge des Betrachters liegt. Denn wenn die Evi mit dem neuen Fußball des Bruders die frischpikierten Tomatenpflanzerl umschießt, vollbringe sie doch eine gute Tat, weil der Papa eh keine Tomaten mag. Oder die abgerissenen Saiten der Violine der Schwester verschafften doch nur der ganzen Familie ein ruhiges Wochenende, „weil das Üben auf der Geige sich immer so anhört, als würde man der Katze auf den Schwanz steigen.“

   Petra Hausleitners Geschichten haben die gewisse Leichtigkeit, sie belehren nicht und trotzdem erkennt man sich in ihren Erzählungen wieder, muss schmunzeln oder wird nachdenklich. Besonders wirkungsvoll: Die Herbergssuche aus der Sicht des Wirtes zu Bethlehem. „Jeden brauchen wir auch nicht nehmen, schließlich haben wir das beste Haus am Platz. Und schon gleich gar nicht so dahergelaufene runtergekommene Leut: Er, ein großgewachsener bärtiger Mann und sie, ein schmächtigs Weiberl, noch dazu in andere Umständ…“ Der Bezug zum aktuellen Flüchtlingsthema musste nicht ausgesprochen werden, trotzdem hatte man die Bilder im Kopf.

    „Bei uns is ois voi, kemmts an anders Moi“ treffend führte der Rott-Inntaler Viergsang die Gedanken Hausleiters in seinen Liedern weiter. Die Männer besangen mit ihren markanten Stimmen das Leben der Hirten auf dem Felde und intonierten das aus Ludwig-Thomas „Heilige Nacht“ stammende „Im Woid is so staad.

    Nicht minder markant: die Hoizbachmusi, die mit wechselndem und virtuos beherrschtem Instrumentarium die Zuhörer beeindruckte. Sie spielten mit Hackbrettern, Ziach, Harfe und Baßgeige interessante Arrangements in ausdrucksstarker Dynamik. Eine andere Nuance brachte die Lindenthaler Saitenmusi ins Spiel. Von heiter-beschwingt bis sentimental entlockten Sabine Riemer, die als Lindenthaler-Musikwartin auch für Programm und Organisation verantwortlich zeichnete, der Zither, Bettina Götz der Harfe sowie Werner Gruber der Gitarre die unterschiedlichsten Ton-Schattierungen. Vollblutmusiker Roland Moser bewies einmal mehr, wie meditativ eine steirische Harmonika klingen kann, gefühlvoll an der Gitarre begleitet von Michal Winkler.

   Das sich ergänzende Zusammenspiel von Text, Lied und Gesang verfehlte auch bei der 29. Auflage des Lindenthaler-Adventshoagartns seine Wirkung nicht. Minutenlang spendete das Publikum, darunter Bürgermeister Karl Hendlmeier sowie sein Stellvertreter Willi Gschneidner am Ende den Akteuren dankbaren Applaus.