Theaterkritik "Die drei Eisbären"

23.10.2015 14:58 - Von: Doris Kessler


Eine Frau kommt uns nicht ins Haus, sind die drei Eisbären überzeugt. Pauli (Richard Eder, Mitte) erläutert seinen beiden Brüdern Peter (Jürgen Leitl, rechts) und Juliander (Sebastian Rothlehner) die Vorzüge eines Männerhaushaltes. − Fotos: Kessler

Eine Frau kommt uns nicht ins Haus, sind die drei Eisbären überzeugt. Pauli (Richard Eder, Mitte) erläutert seinen beiden Brüdern Peter (Jürgen Leitl, rechts) und Juliander (Sebastian Rothlehner) die Vorzüge eines Männerhaushaltes. − Fotos: Kessler

Rottaler Anzeiger, 22.10.2015

Klassiker macht Lust auf mehr

Lindenthaler brillieren mit den "Drei Eisbären" – Winfried Viehauser feiert 50-jähriges Bühnenjubiläum – Karten für Zusatzvorstellung gibt es ab morgen

Linden. 82 Jahre alt und immer noch ein echter Lustspiel-Klassiker, dem der Trachtenverein "D’Lindenthaler Hebertsfelden" nun ein neues Gewand verpasst hat: "Die drei Eisbären" heißt das neue Stück der Theatergruppe, das eine umjubelte Premiere gefeiert hat.

Schauspieler und Autor Maximilian Vitus hat "Die drei Eisbären" 1933 verfasst. Seit das Stück im "Komödienstadel" aufgeführt wurde, kennt es nahezu jeder. 1973 war das, "damals mit der jungen Gaby Dohm in der Rolle der Magd Maral", erinnert sich Regisseur Richard Eder. Die drei dickköpfigen Brüder wurden damals von Gustl Bayerhammer, Gerhard Lippert und Maxl Graf gespielt. "Ich hab das Stück damals sehr gerne geschaut, immer und immer wieder, und so fiel die Entscheidung nicht schwer, als es um das diesjährige Theater der Lindenthaler ging", erzählt Richard Eder. Zumal der Ausfall zweier Stammschauspielerinnen – beide pausieren babybedingt – ein wenig Kreativität in der Besetzung erfordert hat.

 

Lebendiger als das Original

"Die drei Eisbären" kommen mit nur sieben Darstellern aus, auch das laut Eder mit ein Grund, sich für das Stück zu entscheiden. Als Haslocherin steht Sabine Gruber auf der Bühne, "es freut mich sehr, dass sie dieses Jahr wieder mit von der Partie ist", betont Richard Eder. Ein Wiedersehen gibt es mit den alten Hasen Jürgen Leitl (Peter Haidenegger), Sebastian Rothlehner (Juliander Haidenegger), Waltraud Angermaier (Wirtschafterin Veronika), Martina Straubinger (Magd Maral) und Winfried Viehhauser, der den Viehhändler Anthuber spielt – und bei der Premiere ganz besonders geehrt wurde. Viehhauser feiert in diesem Jahr nämlich sein 50-jähriges Bühnenjubiläum – dafür gab’s am Ende der Vorstellung Worte des Dankes und eine Urkunde. Auch Regisseur Richard Eder ist wieder mit dabei, in der Rolle des Pauli Haidenegger.

Wie es so ist, wenn Routiniers ihre Arbeit tun, so braucht man sich als Zuschauer keine Gedanken über den Unterhaltungswert eines Lindenthaler-Schauspiels zu machen. Und doch macht es einen Heidenspaß, die vielen kleinen Details zu entdecken, die Regisseur Richard Eder gemeinsam mit seinem Team erarbeitet hat, kleine Abweichungen von der literarischen Vorlage, die Bühnenbild, Handlung und Dialoge noch ein wenig lebendiger machen.

Die zwei Brüder Peter und Pauli, die oftmals Testosteron beladen aneinander geraten und den Familienfrieden erst nach einer synchron ausgeführten Schnupfhandlung wieder hergestellt sehen. Der schmutzige Küchenofen als sichtbares Zeichen eines chaotischen Männerhaushaltes, der nach Einzug der Magd Maral in weißem Glanz erstrahlt, dazu Kannen und Tassen, die durch Frauenhand wieder in Reih und Glied im Regal stehen, selbst das alte Fenster hat im dritten Akt Vorhänge bekommen.

Sie alle sind Symbol für die Verwandlung, die die drei Eisbären im Laufe des Stückes durchmachen, ebenso wie der Schmutz durchtränkte Putzlumpen, der anfangs von Stuhl zu Stuhl geworfen wird, mit der Zeit jedoch am Boden, dann im Eimer und schließlich ganz verschwindet. Dazu noch einige Streichungen in der Originalvorlage, die das Stück dynamischer machen und dafür sorgen, dass – inklusive zweier Pausen - nach zweieinhalb Stunden noch Zeit zum Ratschen bleibt. Kein Wunder also, dass das Premierenpublikum begeistert ist, schon jetzt alle Vorstellungen nahezu ausverkauft sind und an den Komödienstadel bei den "Drei Eisbären" am Ende fast keiner mehr denkt.

Karten für die Zusatzvorstellungen am Freitag, 13. November, um 20 Uhr und am Sonntag, 15. November, um 19 Uhr gibt es ab morgigen Freitag in der Geschäftsstelle des Rottaler Anzeigers.