Adventhoagarten 2018

27.12.2018 17:09 - Von: Richard Eder


Die Lindenthaler Bläser brachten feierliche Klänge in den Raum.

Sprecher Hans Riederer (links) lauschte interes-siert dem nach Wieder Kaffeehaus anmutenden Spiel des Quartettes Meier Riemer

Linden. Ein „Aussteigen aus der Weihnachtshektik, ohne Handy und E-Mail-Kastl“, so umschrieb Sprecher Hans Riederer den Adventshoartn der Lindenthaler, der in seiner 32. Auflage zu einer tiefen Beschäftigung mit der Sinnfrage wurde.

     Riederer, versierter Sprecher bei Musik- und Brauchtumsveranstaltungen und nicht zum ersten Mal Gast beim Lindenthaler-Adventshoagartn, entpuppte sich einmal mehr als Suchender, der auch unbequeme Fragen stellt, der Begriffe zerlegt, ohne zum Wortklauber zu werden.

    So heiße für Riederer „besinnlich sein“ sich auf etwas zu besinnen, über den Sinn nachzudenken, auch und gerade über den Sinn von Advent und Weihnachten, der vielen nicht mehr ganz präsent zu sein scheine. Mit pointenreichen Geschichten, witzigen Anekdoten und spannenden Kindheitserinnerungen transportierte der Sprecher profundes Wissen auf äußerst unterhaltsame aber doch tiefgehende Weise.

     In guter alter Hoagartn-Manier erzählte er von kindlichen Nikolausbegegnungen, als ihm bei dessen Besuch nichts Kirchliches einfiel und er stattdessen das Jennerweinlied anstimmte. Aber als er als Erwachsener selber im Nikolausgewand unterwegs war, verhalf ihm genau diese Erinnerung, Nachsicht zu üben, als ihm ein Kind als adventliches Gebet nach langem Überlegen „O Herr gib ihm die ewige Ruh“ präsentierte.

     Er entführte die Zuhörer zurück in Zeiten, als mit heißen Ziegel die Betten gewärmt wurden, weil die Schlafzimmer so kalt waren, dass an den Wänden sich der „Greim“ und an den Fenstern die Eisblumen bildeten und er trotzdem dies als Teil einer glücklichen Kindheit erlebte, ganz nach dem Zitat des Schriftstellers Peter Rosegger: „Wie reicht waren wir, als wir noch arm waren.“

     Richtig tief gingen seine Worte, als es um das weihnachtliche Thema „Herbergssuche“ ging und Riederer damit die Gedanken wieder in die Gegenwart katapultierte: „Wir überlegen, wo wir zum Einkaufen hingegen, zur gleichen Stunde überlegen andere, wo sie überhaupt hingegen, weil ihr Haus zerbombt wurde. Und als er auf das nunmehr 200 Jahre alte „Stille Nacht“ zu sprechen kam, das zu einer echten Friedensbotschaft wurde, als es in den Weltkriegen an Heiligabend von verfeindeten Truppen in verschiedenen Sprachen gesungen wurde, und so zumindest für ein paar Stunden Waffenrufe sorgte.

     Riederers Botschaften entfachten nicht zuletzt deshalb eine so durchdringende Wirkung, weil sie die Musik als Transportmittel hatten. Gleich zu Beginn erfüllten warme, feierliche Klänge der Lindenthaler Bläser den Saal des Lindenthaler-Vereinsheim mit Arrangements, die Aufbruch und Zuversicht signalisierten.

     In der musikalischen Ausdruckskraft einen großen Schritt nach vorne machte in jüngster Zeit die Freitags-Musi. Simon Scheuer an der Ziach, Magdalena Gruber an der Harfe, Franziska Gruber am Hackbrett und Sophia Riemer an der Querflöte brachten eine wundervolle Stubnmusi zu Gehör, fein und harmonisch im Zusammenspiel.

     Klänge, die man durchaus auch in einem Wiener Kaffeehaus verorten könnte, zauberte das Quartett Meier-Riemer in den Raum, was vor allem auf das Konto der Geigerin Silvia Meier ging. Arrangeur Egon Meier, aus dessen Feder die meisten Stücke stammen und der selbst das Akkordeon bediente, vermischte ihr virtuoses, gefühlvolles Spiel zusammen mit Sabine Riemer an der Zither und Wolfgang Riemer an der Gitarre zu einer perfekt abgestimmten Melange.

     Ein Klangspektrum vom zartesten Pianissimo bis zum strahlenden Forte entlockte Roland Moser seiner steirischen Harmonika. Einerseits gezielt akzentuiert den Bass als Fundament einsetzend wusste er andererseits mit federnder Leichtigkeit die Melodie zu führen.

    „Gehen wird gemeinsam den Weg nach Bethlehem“, mit diesen Worten schloss Lindenthaler-Vorstand Konrad Rothlehner seine einführenden Worte, in denen er einige Höhepunkte des Vereinsjahres der Lindenthaler Revue passieren ließ. Der Anzenkirchner Zwoagsang folge dieser Aufforderung durch eine Stückauswahl, die von Jesaias Prophezeiung über die Verkündigung durch den Engel bis zum emotional intonierten „Nun es nahen sich die Stunden“ führte.

     Das Publikum, darunter Pfarrer Josef Reiner, stellvertretender Landrat Kurt Vallée, Bürgermeister Karl Hendlmeier sowie eine Reihe von Kreis- und Gemeinderäten und Lindenthaler-Ehrenmitglieder genoss sichtlich den kurzen Ausstieg aus der Betriebsamkeit des Alltags und belohnte alle Ausführenden, insbesondere die Programmverantwortliche Sabine Riemer, mit einem minutenlangen, dankbaren Applaus.