Erste Bruder Konrad Probe

19.01.2014 13:30 -


Regisseur Richard Eder, der zweimal die Rolle des Bruder Konrad gespielt hat, übergab drei wichtige Requisiten an den neuen Hauptdarsteller Jürgen Leitl: Das gelbseidene Halstuch, das Kreuz und den Rosenkranz.

„Johann Birndorfer von Parzham, der bescheidene Pförtner von Altötting, er ist zum Bruder für die ganze Welt wordn.“ Nach diesen Worten ist es mucksmäuschenstill im Saal. Nur langsam kommt man wieder in der Jetztzeit an, verblassen die Bilder aus dem 19. Jahrhundert, die man gerade noch deutlich vor seinem inneren Auge gesehen hat.

     Der Text des Bruder-Konrad-Festspiels hat seit der Uraufführung vor 20 Jahren nichts an Kraft verloren und wirkt auch als „Hörspiel“. Denn mehr war es noch nicht, was am vergangenen Sonntag im Vereinsheim der Lindenthaler zu erleben war. Doch es reichte, um aus etwa hundert Beteiligten eine Mannschaft zu formen, sie auf ein Ziel einzuschwören.

    Es war die erste Probe, der Startschuss ins Bruder-Konrad-Jahr. Alle Beteiligten trafen sich zum ersten Mal, Darsteller, Musiker, Techniker, das Maskenteam mit Mariele Meier an der Spitze, Kostümbildner, das Organisationsteam… Vieles gab es zu besprechen an diesem Tag, unzählige Termine und Arbeiten waren abzustimmen. Und es galt das Stück einmal gemeinsam zu lesen, einen ersten Eindruck von der eigenen Rolle zu bekommen.

     „Es ist immer wieder eine große Aufgabe, ein Kraftakt für den gesamten Verein“ so Regisseur Richard Eder, der das Stück kennt, wie seine Westentasche. Er hat es 1993 gemeinsam mit seinem Freund Rudolf Rothlehner verfasst und zweimal die Hauptrolle des Bruder Konrad gespielt. Jetzt freut sich Eder, seit 2006 Leiter der Lindenthaler-Volkstheaterbühne, auf die Inszenierung des Festspiels zum 120. Todestag.

   Seit Mitte des letzten Jahres habe er, neben Beruf, Familie und den anderen Theaterprojekten, den Bruder Konrad im Kopf, sagt Eder. Am Text  des Lebensbildes habe er nichts geändert, allenfalls die Dialoge gestrafft. Die verbindenden Sprechertexte sind jedoch einer Dialogfassung gewichen. „Ich wollte einen stärken Bezug zur Gegenwart schaffen und die heutigen Kritikpunkte an der katholischen Kirche nicht unter den Tisch kehren“ so Eder. So wird der Zuschauer in der 2014er Fassung erleben, wie ein Geschäftsmann und ein Priester in Altötting zufällig ins Gespräch kommen, sich dabei schnell eine brisante Diskussion entwickelt, bei der jedoch immer wieder auf das Leben Bruder Konrads geblickt wird.

    „Ich freu mich, dass es jetzt losgeht“ sagte Hauptdarsteller Jürgen Leitl vor der ersten Probe, auch wenn ihm durchaus bewusst sei, welche Verantwortung er mit der Übernahme der Rolle des „Bruder Konrad“ auf sich geladen hat. Richard Eder gab ihm zuvor noch drei wichtige Requisiten: das gelbseidene Halstuch, das Johann Birndorfer vor seinem Eintritt ins Kloster getragen hat, das Gebetskreuz und den Rosenkranz. Und dann entführt Mariele Meier den Hauptdarsteller noch kurz hinter die Bühne, um die ersten Bärte und Perücken anzupassen.

    Das Bruder-Konrad-Festspiel war auch der wichtigste Punkt in der letzten Mitgliederversammlung der Lindenthaler. Vorsitzender Konrad Rothlehner berichtete vom Stand der organisatorischen Vorbereitungen. Im Untergeschoss des Vereinsheims müssen Räume für Maske und Kostüme geschaffen werden, Bild und Ton sind von der Bühne in die Aufenthaltsräume der Schauspieler zu übertragen, das Programmheft, das jeder Besucher gratis zum Eintrittspreis dazubekommt, gilt es zu konzipieren.

    Apropos Eintrittspreis: Der wurde mit 17 EUR so günstig wie möglich kalkuliert. „Was der Zuschauer oft nicht wahrnimmt, sind die gewaltigen Kosten so einer Produktion“, so Rothlehner. Maske, Kostüme, Technik, Werbung, Spielerverpflegung – Rothlehner rechnet der Versammlung einen höheren fünfstelligen Eurobetrag vor, der natürlich über den Eintrittspreis wieder hereinkommen soll. Wie schon 1994 und 2004 praktiziert, soll bei einem Überschuss wieder ein großer Teil, ganz im Sinne Bruder Konrads, für karitative Zwecke gespendet werden.       

    Die Premiere des Bruder-Konrad-Festspiels wird wieder exakt am Todestag des Heiligen, am 21. April 2014, stattfinden. Traditionell ist dies eine geschlossene Veranstaltung vor geladenen Gästen aus Staat, Wirtschaft, der Geistlichkeit und des Vereinslebens. Anschließend gibt es bis zum 18. Mai insgesamt 13 Vorstellungen, freitags und samstags jeweils um 19.30 Uhr und sonntags um 13.30 Uhr. Karten gibt es ab 24. März in der Geschäftsstelle des Rottaler Anzeigers.

   Wegen Bruder Konrad steht natürlich das „normale“ Vereinsleben nicht still. So zog Konrad Rothlehner in der Mitgliederversammlung auch eine positive Bilanz des Jahres 2013, hob Adventshoagartn und Jugendweihnacht als herausragende Veranstaltungen hervor, wies auf Senioren- und Kinderfasching am 1. und 2. Februar hin und dankte vor allem jenen Mitgliedern, die Dinge im verborgenen Tun, wie z. B. zuverlässig den Müll aus dem Vereinsheim zu entsorgen.