Kronentanz und Sternpolka: Beim Heimatabend ging’s hoch her

08.06.2010 07:42 von Rottaler Anzeiger

90-Jahrfeier der Lindenthaler Trachtler - MdL Reserl Sem: „Kulturelle Botschafter der Heimat“

Hebertsfelden. „Schneidig fesch" wurde beim Heimatabend des Trachtenvereins Lindenthaler anlässlich der 90-Jahrfeier im großen Festzelt mit etwa 2700 Gästen mit Schuhplattlern, Volkstänzen, Goaßlschnalzern und Blasmusik „bairisch gfeiert". Vorsitzender Konrad Rothlehner sah in der großen Teilnehmerzahl einen Ausdruck der Wertschätzung für die kulturelle Arbeit der Trachtler.

Schirmherr Bürgermeister Karl Hendlmeier richtete seinen Blick auf die Erfolgsgeschichte der Lindenthaler mit Ursprung im Jahre 1920. „Der Trachtenverein hat sich zu einem wesentlichen Kulturträger entwickelt", so der Bürgermeister, der insbesondere die umfangreiche Kinder- und Jugendarbeit lobte. Als Erinnerungspräsent überreichte er an die Vorsitzenden Konrad Rothlehner und Jürgen Leitl eine Glasskulptur. Im Namen des Bayerischen Landtages und des Bezirkstages gratulierte MdL Reserl Sem und bezeichnete die Lindenthaler als „kulturelle Botschafter der Heimat". „Ein Aushängeschild für den Landkreis sind die Trachtler aus Hebertsfelden", betonte Landrätin Bruni Mayer.

Durch das Programm führte Richard Eder, seit 35 Jahren „aktiver Lindenthaler". Eder kündigte nicht nur die verschiedenen Polkas, Landler und Dreher an. Er sprach auch über die Heimat im Rottal und die Menschen sowie den niederbayerischen Dialekt, der mit wenig Silben vieles auszudrücken vermag.

Die Massinger Blaskapelle spielte auf und begleitete die zahlreichen Brauchtumsdarbietungen. Die Trachtlerkinder Lisa Limmer und Leonhard Riemer stimmten mit einem Begrüßungsgedicht ein und schon marschierten etwa 30 Lindenthaler Plattler zur Ambos-Polka auf die großzügige hölzerne Bühne. Die Jugendgruppe der Lindenthaler zeigte nun den niederbayerischen Landler und wie sich's für diesen Tanz gehört, sang sie auch dazu: „Vom Rottal hama aussa, hama lustige Buam..."

Viel Applaus erntete auch die große Lindenthaler Kinder- und Jugendgruppe mit 50 Dirndl und Buam, die unter anderem die Sternpolka tanzte. Die Jüngsten zeigten sogar zum ersten Mal eine neue Version vom „Bauernmadl". Nun waren „de Groußn wieder dra", wobei die Bühnenbretter beim kräftigen Aufstampfen der Plattler beim „Birkenstoaner Glöckerl, dem „Hebertsfeldener Marsch" sichtlich bebten. Weiter trat die Gaugruppe des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes auf und beeindruckte mit dem „Sulzbergler" und später mit der getanzten und geplattelten „Böhmisch' Grenz".

Als Patenvereine ergänzten die Gruppen von „Edelweiß" Neuötting und „Altbachtaler Wittibreut" das Programm mit dem „Dreisteirer", dargebracht von den Trachtlern aus Neuötting, dem Plattler „Auerhahn" und dem „Dreher aus Riedelsbach" von den Wittibreutern. Die Vorstände der Patenvereine, Thomas Kelnhofer aus Neuötting und Ludwig Gschneidner aus Wittibreut, überreichten an Konrad Rothlehner und Jürgen Leitl Präsente, sprachen die besten Wünsche zum 90. Jubiläum aus und sagten eine fortwährende Freundschaft zu. Richard Eder kündigte als Höhepunkt vor der Pause den Sterntanz, von der Lindenthaler Jugendgruppe, an.

Der laute Schmitz der Goaßln seitens der Lindenthaler Goaßlschnalzergruppe kündigte im zweiten Teil vom freudigen Anlass dieses Heimatabends. Der Sprecher hatte dazu ein passendes Gedicht vom Ponzauner Wigg ausgesucht und informierte über den krönenden Abschluss, nämlich den „Kronentanz", erstmals 1927 aufgeführt und zunächst als „Oberlandler Reigen" bezeichnet. „Seit 1973 hat dieser majestätische und würdevolle Tanz bei den Lindenthalern Tradition und fehlt bei keinem Festheimatabend", so Eder. Die große, generationsübergreifende Gruppe trat mit grünen Girlandenbögen auf die Bretter, zeigte verschiedene Figuren und schließlich die erhabene, feierlich anmutende Krone.

Zu Beginn des zweiten Teils hatte Gauvorstand Walter Weinzierl „Vergelt's Gott" für die langjährige Treue zum Bayerischen Inngau-Trachtenverband gesagt und die großartigen Erfolge der Lindenthaler beim Gau-Preisplattln und Dirndldrah hervorgehoben. Trachtler sein bedeute, Gemeinschaft zu pflegen in einer von Egoismus geprägten Zeit. Trachtler zu sein heiße, das Leben mit sinnvollem Brauchtum zu füllen, Altbewährtes zu bewahren und dem Neuen aufgeschlossen zu sein. „Trachtler sind Botschafter im eigenen Land", stellte Weinzierl fest.

Ein Name wurde immer wieder erwähnt: Ehrenmitglied Herbert Rieger. Die erfolgreiche Teilnahme der Lindenthaler beim Gaupreisplattln geht auf ihn zurück und wie Richard Eder feststellte, ist seine Tochter Sabine Gruber, erste Vortänzerin, mit „Trachtlerschua auf d'Weid kemma". Er kam damit wieder auf den „Rottaler Menschenschlag": „Grod heraus, dem ma net bös sei kann". - cs

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