Am Ende siegt die Liebe, nicht der FCB

22.10.2009 17:31 von Doris Altmannsberger

Neue Lindenthaler-Komödie „Der Rudi mog koa Wei“ mehr als unterhaltsam

Es ist eigentlich eine Tragödie, wenn der Sohn mit 34 Jahren noch zu Hause bei Muttern wohnt und dort sein Single-Dasein fristet. Dass das Publikum mit Toni Lauerers Komödie trotzdem jede Menge zu lachen hatte, ist nicht nur dem Schreib-Talent des Autors zu verdanken, sondern vor allem der Liebe zum Detail der Inszenierung der Lindenthaler Theatergruppe.

Filius Rudi ist ein waschechter Bayern-Fan, der nur in der Liebe zum deutschen Fußball-Rekordmeister den Sinn des Lebens sieht. Das schlägt sich nicht nur im Aussehen des 34-Jährigen nieder - kein Trikot des FC Bayern, das Rudi Zankl nicht sein Eigen nennt und diese auch tagein, tagaus am Leib trägt samt flauschigen Bayern-Pantoffeln. Sondern auch in der Einrichtung der elterlichen Wohnung, wo der Vereinsschal über der Vorhangstange und dem Kanapee drapiert ist, der Bayern-Steinkrug im Glasschrank steht und sogar ein gemeinsames Foto des treuen Fans mit Oliver Kahn und Franz Beckenbauer an der Wand hängt.

Es sind so kleine Feinheiten wie die Fotomontage, die extra für das Theaterstück zusammen gebastelt wurde, die aus dem Lustspiel „Unser Rudi mog koa Wei“ von Toni Lauerer ein mehr als unterhaltsames Theaterstück machen. Mit Liebe zum Detail hat Regisseur Richard Eder das Bühnenbild entworfen, das ganz und gar das Fan-Herz erfreut und in Darsteller Jürgen Leitl als renitentem Single-Bayer seine Fortsetzung findet. Ihm gegenüber steht mit Waltraud Anger-maier als Mama Berta Zankl eine pulvernde, aber stets um das Wohl des Filius besorgte Mutter, die Ehemann Kare (Rudolf Rothlehner) schon vor vielen Jahren des Amtes als Familienoberhaupt entledigt hat und nun auf ihre ganze eigene Art und Weise das Regiment am Zanklschen Hof führt.

Nun führt Rudi Zankl als ewiger Single kein schlechtes Dasein. Sein bester Freund Heinzi (Maximilian Staimer) leistet ihm bei gemeinsamen Champions-League- und Bundesliga-Veranstaltungen Gesellschaft, sein großes Vorbild, Onkel Hans (Konrad Rothlehner) ist ebenfalls begeistert alleinstehend und der Hof-Gehilfe „Hä“ (Richard Eder) kommt ab und an mal auf einen Ratsch vorbei und beliefert Rudi mit dem neuesten Klatsch und Tratsch. Er ist es auch, der dem 34-Jährigen erzählt, dass seine Eltern ihn nun zwangs-verkuppeln wollen. Viehhändler Kreizer (Josef Leitl) und der Pfarrer (Ludwig Angermaier) werden dazu verpflichtet, eine Frau für den Single-Sohn zu finden. Das passt dem Rudi freilich gar nicht und so bekommen seinen Holzhammer-Charme zuerst die nette Dame vom Landratsamt (Martina Straubinger) zu spüren, dann das Fräulein, das gekommen war, um neue Vorhänge zu schneidern (Julia Rothlehner). Es ist schon ein Kreuz mit dem Sohn, „andere san mit 34 Jahr scho geschieden und der is no ned amoi verheiratet“, stellt die Mama fest, während Vater Kare sich Gedanken um seine Zukunft macht: „Eines Tages in der Früh steh i auf und bin tot.“
Derlei Wortwitz setzen die Lindenthaler Theaterspieler mit kleinen Gesten die Krone auf. So ist Vater Kare Zankl ganz der unterdrückte Ehemann, der - bevor er sich aufs heimische Kanapee setzen darf - sich natürlich erst einmal die Sofadecke unterlegt und so ganz erstaunt ist, als er einmal das Wäschekörberl in die Finger bekommt ob der Tatsache, was Frau Berta so drunter trägt.

Ihren eigenen Witz entwickeln die Dialoge um den Bau-Disput mit dem Landratsamt, wenn der Besuch der Frau Regierungsrätin z. A. verteidigt wird mit Worten wie: „Des is ned vom Kreizer, de is von da Landrätin.“
„Vermittelt die jetzt neuerdings a Weiber?“ Die Lacher hat auch Anneliese Forster mit ihrem Kurzauftritt als Babette Dobler auf ihrer Seite, weil Rudi Zankl sie spontan für die Frau hält, die der Pfarrer für ihn ausgesucht hat und dies mit Empörung pur und einem „seid’s mir nicht bös, aber den Scherm nimm i ned“ quittiert.

Am Ende siegt aber doch die Liebe, der man halt einfach nicht entkommt, auch wenn sie sich als Toni Meiler (Rebecca Ries) etwas anders präsentiert, als der Rudi gedacht hat.

Zurück